Team Datenatlas Zivilgesellschaft

Ein Jahr Datenatlas Zivilgesellschaft: Eine Wissensbasis entsteht

Was wäre, wenn Wissen über die Zivilgesellschaft nicht mühsam zusammengesucht werden müsste? Wenn Daten leichter auffindbar wären, Erfahrungen aus gemeinnützigen Organisationen nachgenutzt werden könnten und gesellschaftliches Engagement sichtbarer würde?

Diese Fragen haben wir uns vor längerer Zeit gestellt und genau vor einem Jahr den Datenatlas Zivilgesellschaft als Lösung an den Start gebracht. Die Zivilgesellschaft erzeugt jeden Tag Daten – über gesellschaftliches Engagement, soziale Herausforderungen, Umweltveränderungen oder die Wirkung von Projekten. Doch vieles davon bleibt noch unsichtbar, weil sie nicht öffentlich zugänglich sind oder verteilt auf diversen Websites vorliegen.

Seit der Veröffentlichung des Datenatlas Zivilgesellschaft wächst nicht nur die Zahl der verfügbaren Datensätze. Auch das Interesse an offenen Daten nimmt zu. Jetzt ist für uns ein guter Zeitpunkt, eine erste Bilanz zu ziehen und auf die nächsten Entwicklungsschritte zu blicken.

Warum offene Daten aus der Zivilgesellschaft wichtig sind

Warum lohnt es sich für gemeinnützige Organisationen, ihre Daten offen bereitzustellen? Aus unserer Sicht sprechen vor allem vier Gründe dafür:

1. Reichweite und Wirkung multiplizieren

Offen zugängliche Daten werden durch Stakeholder:innen weiterverwendet und erreichen so ein deutlich größeres Publikum. Sie stärken journalistische Berichterstattung, öffentliche Debatten und schaffen Bewusstsein für wichtige Themen.

2. Kooperationen und Synergien ermöglichen

Open Data schafft neue Partnerschaften zwischen Zivilgesellschaft, Forschung, Verwaltung und Wirtschaft. Gemeinsam können innovative Lösungsansätze entwickelt werden – ohne, dass jede Organisation eigene Datenerhebungen durchführen muss.

3. Informationslücken schließen

Offene Daten bieten Einblicke in Bereiche, die in amtlichen Statistiken oft fehlen: die Lebensrealität marginalisierter Gruppen, lokale Umweltdaten oder spezifische soziale Bedarfe. Sie tragen zu einem vollständigeren Bild unserer Gesellschaft bei.

4. Evidenzbasierte Arbeit stärken

Wenn mehr zivilgesellschaftliche Daten verfügbar sind, können alle Organisationen ihre Anliegen besser mit Fakten untermauern und komplexe gesellschaftliche Herausforderungen effektiver angehen.

Die Vorteile offener Daten erkennen viele gemeinnützige Organisationen und Initiativen an. Die positiven Rückmeldungen bestärken uns darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und Open Data aus der Zivilgesellschaft sichtbarer zu machen. 

Ein Jahr Datenatlas: Was wir bisher erreicht haben

Vor genau einem Jahr haben wir den Datenatlas Zivilgesellschaft veröffentlicht. Wir haben einige Monate daran gearbeitet, ihn technisch zu optimieren. Anschließend haben wir unsere Kommunikation ausgebaut, um ihn im Feld der zivilgesellschaftlichen Organisationen bekannter zu machen. Dies wird ein kontinuierlicher Prozess sein, da Zivilgesellschaft so verschiedene Akteure umfasst wie kleinere Umweltinitiativen, größere Sportvereine oder sehr große Stiftungen. Für all diese Akteure bietet der Datenatlas Zivilgesellschaft die Möglichkeit, offene Daten auffindbar zu machen. 

Das Datenangebot im Datenatlas möchten wir im zweiten Jahr des Bestehens deutlich ausbauen. Doch auch jetzt schon sind spannende Datensätze auffindbar. Darunter haben diese Datensätze bisher die meisten Abrufe generiert:

  1. FörderFunke: Maschinenlesbare Anspruchsvoraussetzungen für öffentliche Leistungen
  2. Greenpeace Deutschland: Umfrage zur Wehrpflicht unter Jugendlichen
  3. CorrelAid und AWO: Förderdatenbank (Scrape)
  4. AWO Bundesverband: Datenkompetenzen & Weiterbildungsbedarfe in der AWO (2024)
  5. Goal100: Korrigierte und ergänzte Anlagendaten genehmigter Windenergieanlagen an Land in Deutschland

Bisher stellen 16 gemeinnützige Organisationen 105 Datensätze bereit. Die meisten Datensätze stammen von Greenpeace, deren Open-Data-Portal wir automatisch in den Datenatlas einlesen. Greenpeace ergänzt und aktualisiert das Portal kontinuierlich. Mit den aktuell im Datenatlas Zivilgesellschaft verfügbaren Organisationen und Datensätzen ist eine erste Grundlage geschaffen. Gleichzeitig sehen wir darin erst den Anfang und möchten das Angebot in den kommenden Jahren deutlich erweitern.

Open Data Barcamp 2026

Vernetzung und Wissenstransfer

Dazu werden auch unsere Formate zur Vernetzung und zum Wissenstransfer beitragen wie z.B. die Open-Data-Einführungsworkshops, Open-Data-Netzwerktreffen und Open-Data-Barcamps. 

Datengeschichten zeigen die Wirkung von Open Data

In unseren Datengeschichten haben wir bereits einige gute Beispiele im In- und Ausland für die Bereitstellung offener Daten aus der Zivilgesellschaft präsentiert. So zeigt z.B. Goal100 wie mit offenen Daten der Ausbau der Windenergie transparent wird und auch beschleunigt werden kann. Beispiele aus dem Ausland wie Offene Daten für freiwilliges Engagement in Großbritannien und Nova SBE Social Database: Mit offenen Daten soziale Wirkung messen aus Portugal verdeutlichen, welche Wirkung standardisierte, offene Daten erzeugen können. Sie dienen bereits als Vorbild für Organisationen hierzulande, um Daten aus der Zivilgesellschaft in bestimmten Bereichen zu standardisieren und zu öffnen. In ein paar Monaten können wir mehr über diese Entwicklungen berichten.

Auf der Suche nach dem verborgenen Datenpotenzial

Ein immer wiederkehrendes Thema in unseren Gesprächen ist: Welche Daten aus gemeinnützigen Organisationen können überhaupt relevant sein? Am Ende entscheiden immer die Menschen, die Daten nutzen, über deren Relevanz – und nicht die Datenbereitsteller. Die Erfahrung mit offenen Daten aus der öffentlichen Verwaltung ist, dass man vor einer Datenbereitstellung nicht unbedingt erahnen kann, wofür die Daten am Ende genutzt werden.  Es können sich spannende Anwendungsfälle ergeben, die vorher nicht abzuschätzen waren.

Vielen gemeinnützigen Organisationen ist gar nicht bewusst, welche Daten gemeinhin in ihren Arbeitsprozessen anfallen und welche davon unter Umständen auch für die Öffentlichkeit einen Mehrwert erzeugen könnten. Daher werden wir im vierten Quartal dieses Jahres mit einer Studie beginnen, die systematisch das gemeinwohlorientierte Datenpotenzial in der Zivilgesellschaft aufzeigen soll. Dies wäre dann auch eine Grundlage, um abzuleiten, welche Daten davon als Open Data infrage kommen. Die Ergebnisse werden wir voraussichtlich im Sommer 2027 präsentieren können und sie auch im Datenatlas Zivilgesellschaft visualisieren.

Unsere Vision: Eine gemeinsame Wissensbasis für die Zivilgesellschaft

Unsere Vision ist, dass der Datenatlas Zivilgesellschaft zu einem gemeinsamen Wissensfundament für alle wird, die Zivilgesellschaft verstehen, stärken und gestalten wollen. Indem wir offene Daten sichtbar, verständlich und nutzbar machen, schaffen wir eine Grundlage für bessere Analysen, fundiertere Entscheidungen und eine lebendige demokratische Debatte.