
© andreusK - stock.adobe.com
Datengeschichte
Nova SBE Social Database: Mit offenen Daten soziale Wirkung messen und vergleichbar machen
Viele Organisationen tun Gutes, doch wer kann wirklich zeigen, was wirkt? Genau mit dieser Frage sehen sich zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend konfrontiert. Fördergeber erwarten Nachweise, die Öffentlichkeit will Transparenz, und auch die Organisationen selbst wünschen sich Kriterien, mit denen sie ihre Arbeit belegen und weiterentwickeln können. Doch es mangelt oft an standardisierten Indikatoren, an Ressourcen für Evaluation und an einem zentralen Ort, an dem diese Informationen offen zugänglich sind. Die Nova SBE Social Database schafft eine offene Plattform, die soziale Wirkung nicht nur erfasst, sondern sichtbar, vergleichbar und nutzbar macht.
Wer steckt hinter der Nova SBE Social Database?
Initiiert wurde die Plattform von der Nova School of Business and Economics in Lissabon, einer Wirtschaftsuniversität in Portugal. Gemeinsam mit gemeinnützigen Organisationen aus dem ganzen Land, mit öffentlichen und privaten Fördergebern sowie mit Forschenden aus den Bereichen Sozialökonomie und Evaluation entstand ein Modellprojekt, das Wissenschaft und Praxis eng miteinander verzahnt. Dieses Zusammenspiel sorgt dafür, dass die erhobenen Daten nicht nur methodisch fundiert, sondern auch unmittelbar praxisrelevant sind.
Wie funktioniert die Datenerhebung?
Im Zentrum der Plattform stehen mehr als 100 soziale Indikatoren: von Bildung über Armutsbekämpfung bis hin zu Gleichstellung und Gesundheit. Organisationen tragen ihre Daten über ein webbasiertes Formular ein. Diese Selbstauskünfte werden mit Informationen aus Förderprogrammen und Studien verknüpft und anschließend nach internationalen Standards wie den Indikatoren der UN-Nachhaltigkeitsziele ( SDG) strukturiert. So entsteht ein einheitlicher Datenrahmen, der Vergleichbarkeit ermöglicht, ohne die Vielfalt der Projekte einzuebnen. Nutzer:innen können über ein Webinterface, über APIs oder vollständige Downloads auf die Daten zugreifen. Die Daten sind offen lizenziert und damit ist Nachnutzung ausdrücklich erwünscht.
Beispiel: Das Auffinden von “sozialen Wüsten”
Lange Zeit mangelte es in Portugal an verlässlichen Daten, die Aufschluss darüber geben, ob soziale Angebote und die Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung räumlich deckungsgleich sind. Erst durch die Nova SBE Social Database gelang es, die Standorte und Leistungen gemeinnütziger Organisationen systematisch zu erfassen und mit demografischen Daten abzugleichen. Die Auswertung der ländlichen Regionen förderte dabei eine alarmierende Lücke zutage: In Gebieten mit einer besonders hohen Konzentration alleinlebender Senioren dominierten im Vereinswesen fast ausschließlich Sport- und Freizeitangebote. Unverzichtbare Dienstleistungen wie ambulante Pflege oder psychologische Betreuung suchten Betroffene hingegen vergeblich.
Die Identifikation dieser sogenannten „sozialen Wüsten“ lieferte Entscheidungsträgern und Stiftungen wie der Fundação „la Caixa“ eine fundierte empirische Basis für ihre Förderstrategien. Damit flossen die Investitionen nun gezielt in den Aufbau fehlender Infrastruktur mit dem Ziel, das Angebot präzise an den lokalen Bedarf anzupassen.
Wie werden die Daten genutzt?
Die Plattform berechnet automatisch Kennwerte wie Reichweite, Effizienz oder zeitliche Veränderungen. Diese Daten sind für alle sichtbar, ergänzt durch Filterfunktionen, Karten und Zeitreihen, die Trends transparent machen. Fördergeber wie die Gulbenkian-Stiftung nutzen die Datenbank, um Mittel gezielter zu vergeben. In Medien- und EU-Kontexten wird sie als Beispiel für datengetriebene Wirkungsmessung und Daten-Sharing im Sozialsektor hervorgehoben, etwa im EU‑Code of Conduct for Data Sharing in the Social Economy.
Welche Wirkung entfaltet das Projekt?
Was zuvor in Berichten einzelner Organisationen verborgen blieb, wird nun vergleichbar und öffentlich zugänglich. Dadurch steigt das Vertrauen zwischen Förderern, Öffentlichkeit und Non-Profits. Gleichzeitig werden Muster sichtbar: Wo nehmen Ungleichheiten ab? Welche Maßnahmen zeigen langfristige Erfolge? Welche Themenfelder sind unterversorgt? So hilft das Projekt, fundierte Entscheidungen zu treffen und gesellschaftliche Wirkung transparent zu machen.
Warum ist der Open-Data-Ansatz so wichtig?
Das Projekt zeigt, dass Wirkung mit Sichtbarkeit beginnt. Offene Daten sind der erste Schritt, um gesellschaftliche Transformation messbar und nachvollziehbar zu gestalten. Durch Standardisierung schafft die Plattform Vergleichbarkeit, während ihre Offenheit Vertrauen aufbaut. Die enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis garantiert eine hohe Datenqualität. Damit wird die Nova SBE Social Database auch international als Modellprojekt wahrgenommen.
Machen Sie Ihre Daten sichtbar
Die Nova SBE Social Database zeigt eindrucksvoll, wie Daten zu einer Ressource für alle werden können. Wer seine Wirkungsdaten teilt, stärkt nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch das gesamte Ökosystem der Zivilgesellschaft. Denn aus offenen Informationen entsteht ein kollektives Wissen, das Förderentscheidungen verbessert, Forschung beflügelt und der Gesellschaft als Ganzes zugutekommt.
Hier finden Sie weitere Argumente für das Teilen offener Daten.