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Datengeschichte

Wie offene Daten das Engagement in Großbritannien erleichtern

Jedes Jahr engagieren sich in Großbritannien mehr als 24 Millionen Menschen freiwillig – sie unterstützen Nachbarschaften, helfen in Krisen und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ihr Beitrag wird auf rund 24,69 Milliarden Pfund geschätzt. Doch viele stehen vor ihrem Engagement vor einer Hürde: der Recherche des passenden Projekts.

Wer sich in Großbritannien freiwillig engagieren will, trifft auf ein zersplittertes System. Mehr als 47 Plattformen listen Angebote – jede mit eigenen Strukturen, eigenen Datenformaten und eigenen Zugängen. Für Freiwillige ist das oft mühselig. Sie müssen mehrere Webseiten durchsuchen und Angebote vergleichen. Und Organisationen hinterlassen ihre Ausschreibung auf möglichst vielen Plattformen, oft ohne zu wissen, welche Plattform tatsächlich am besten funktioniert.

Gemeinsamer Datenstandard für Freiwilligenangebote

Ein Projekt rund um das Open Data Institute in London hat genau hier angesetzt. Ziel: eine offene Dateninfrastruktur, die Angebote sichtbar und nutzbar macht – unabhängig von Plattformen. Das zentrale Ergebnis ist ein gemeinsamer Datenstandard für Freiwilligenangebote. Er legt fest, wie Informationen beschrieben werden:

  • Was beinhaltet die Tätigkeit?
  • Wo findet sie statt?
  • Für wen ist sie geeignet?
  • Wie kann man sich bewerben?

Die Daten werden einmal erfasst und können anschließend überall genutzt werden. Damit verschiebt sich der Fokus – weg von einzelnen Plattformen, hin zu einem vernetzten Ökosystem. Neben den Freiwilligen profitieren auch die Initiativen:

  • Sichtbarkeit steigt: Angebote können plattformübergreifend gefunden werden.
  • Aufwand sinkt: Organisationen sparen doppelte Dateneingaben.
  • Wirkung wird messbar: Daten lassen sich besser auswerten und vergleichen.

Parallel zur Entwicklung des Standards wurden drei Pilotprojekte durchgeführt, um unterschiedliche Anwendungsfelder zu testen. Im ersten Pilot wurde der Einsatz im großen Maßstab erprobt. Der Scottish Council for Voluntary Organisations integriert den Standard in seine Plattform Milo, die in Schottland von regionalen Strukturen zur Verwaltung und Vermittlung von Freiwilligenangeboten genutzt wird. Auch in Zusammenarbeit mit dem Royal Voluntary Service wird der Standard in die Plattform GoVo eingebunden, die als Suchsystem für Freiwilligenangebote dient. Damit entsteht eine erste praktische Umsetzung innerhalb einer nationalen Infrastruktur.

Der zweite Pilot konzentrierte sich auf kleinere und gemeinnützige Organisationen. In Interviews wurde untersucht, welche Hürden bei der Nutzung eines einheitlichen Datenstandards bestehen. Dabei zeigte sich unter anderem eine hohe Belastung durch wiederholte Dateneingaben, strukturelle Barrieren für neue Organisationen sowie erhebliche Schwierigkeiten bei der Wirkungsmessung freiwilliger Arbeit, weshalb viele Organisationen diese kaum noch systematisch erfassen.

Weiterentwicklung mit KI

Der dritte Pilot testete KI-gestützte Vermittlung. Das Team entwickelte eine Anwendung, die auf einem Chat-basierten Ansatz basiert und es ermöglicht, Freiwilligenangebote in natürlicher Sprache zu suchen und zu verfeinern. Nutzer können beschreiben, welche Art von Engagement sie suchen, und erhalten passende Vorschläge auf Basis standardisierter Daten.

Der neue Standard ist nicht hinter verschlossenen Türen entstanden. Organisationen, Plattformbetreiber und Technikexpertinnen haben daran gemeinsam in Arbeitsgruppen, Workshops und einem Hackathon gearbeitet.

Eine Mehrheit der beteiligten Organisationen sieht in einem gemeinsamen Standard einen klaren Vorteil für den gesamten Sektor. Denn solange Informationen verteilt, uneinheitlich und schwer zugänglich sind, bleibt auch das Potenzial der Freiwilligenarbeit begrenzt. Der offene Datenstandard bietet nun eine Infrastruktur, die Engagement einfacher macht – für alle Beteiligten.