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Datengeschichte

Soliguide: Wie offene Daten Menschen in schwierigen Lebenslagen Orientierung geben

„Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte." Dieser Satz steht für eine Erfahrung, die viele Menschen in akuten Notlagen teilen. Geflüchtete, Wohnungslose oder junge Menschen ohne familiären Rückhalt stehen vor einem unübersichtlichen Geflecht aus Hilfsangeboten – deren Informationen oft verstreut, unvollständig oder veraltet sind. An diesem Punkt setzt Soliguide an: eine offene Plattform in Frankreich, die soziale Unterstützungsangebote systematisch erfasst, tagesaktuell bereitstellt und den Zugang zu Hilfe erleichtert.

Wer steckt hinter Soliguide?

Die Plattform wurde von Solinum ins Leben gerufen, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Frankreich. Getragen wird das Projekt von über 200 lokalen Organisationen, Behörden und Hilfsinitiativen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Freiwillige, die als sogenannte Mapper:innen Angebote vor Ort erfassen und fortlaufend aktualisieren. So entsteht eine Datenbank, die nicht allein technisch gepflegt wird, sondern auf einem Netz lokaler Partnerschaften beruht.

Wie funktioniert die Datenerhebung?

Soliguide umfasst derzeit mehr als 45.000 Einträge zu sozialen Hilfsangeboten in ganz Frankreich: von Notunterkünften und Essensausgaben über rechtliche Beratung und Hygieneangebote bis hin zu psychosozialen Diensten und Sprachkursen. Sämtliche Daten werden unter der Open Database License (ODbL) veröffentlicht und stehen über eine offene Programmierschnittstelle (API) zur freien Nachnutzung bereit, wie etwa für kommunale Informationssysteme, Portale anderer Organisationen oder eigenständige digitale Anwendungen.

Wie werden die Daten genutzt?

Nutzer:innen können nach Orten und Bedarfen filtern sowie Einträge bewerten oder ergänzen. Für Fachkräfte und Behörden geht der Nutzen über ein reines Verzeichnis hinaus: Kommunen integrieren die Daten in digitale Stadtpläne, Hilfsorganisationen koordinieren ihre Arbeit schneller, und mobile Sozialarbeiter:innen greifen bei Einsätzen auf aktuelle Informationen zurück. Die offene Datenbank wird so zu einem Arbeitsinstrument im Alltag – und zu einer Verbindung zwischen Hilfesuchenden und Helfenden.

Soliguide in der Praxis

In Paris und anderen Regionen Frankreichs nutzen Menschen in prekären Lebenslagen Soliguide, um sich in der sozialen Angebotslandschaft zurechtzufinden. Die Plattform erfasst und kartiert Tausende von Dienstleistungen wie Essensausgaben und medizinische Anlaufstellen über Hygieneeinrichtungen bis zu Beratungsstellen, die für Wohnungslose oder Menschen mit sehr begrenzten Ressourcen von unmittelbarer Bedeutung sind. Über Smartphone oder Webbrowser lässt sich gezielt nach Angeboten in der Nähe, nach Kategorien und nach Öffnungszeiten suchen.

Derzeit erweitert Soliguide seine Funktionen um eine Chat-Funktion namens „Solichat", über die Hilfesuchende direkt mit Sozialarbeiter:innen in Kontakt treten können. Über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder SMS erhalten sie passgenaue Hinweise auf Angebote, die zeitnah und ohne Hürden nutzbar sind.

Wie die Plattform auch außerhalb der Großstädte wirkt, zeigt ein Beispiel aus Ariège, einem ländlich geprägten Département im Süden Frankreichs: Dort verzeichnet Soliguide bereits über 900 soziale Dienste – von Lebensmittelausgaben über ärztliche Hilfe bis zu Beratungsangeboten. Sowohl Betroffene als auch Fachkräfte der Sozialarbeit nutzen die Plattform zur Orientierung. Die Daten werden halbjährlich aktualisiert, um ihre Verlässlichkeit zu gewährleisten.

Soliguide bündelt so fragmentierte Unterstützungsangebote an einem Ort und verbessert damit den Zugang zu grundlegenden Diensten für benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

Welche Wirkung hat das Projekt?

Mehr als zwei Millionen Abrufe pro Jahr belegen den Bedarf nicht nur von Menschen in Notlagen, sondern auch von Fachkräften, die beraten und begleiten. Die Integration in digitale Stadtpläne verschafft Kommunen einen besseren Überblick über ihre sozialen Angebote. Hilfsorganisationen sparen Zeit bei Beratung und Koordination. Und für Menschen auf der Straße kann der Zugriff auf aktuelle Informationen im richtigen Moment einen Ausweg bedeuten. Soliguide zeigt, dass offene Daten kein abstraktes Konzept bleiben müssen, sondern als Werkzeug zur Verbesserung konkreter Lebenssituationen dienen können.

Warum ist der Open-Data-Ansatz entscheidend?

Dass die Daten unter einer offenen Lizenz stehen, ermöglicht ihre Nachnutzung in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen wie z.B: Behörden, Hilfsorganisationen oder zivilgesellschaftlichen Kontext. Gute Datenpflege ist keine rein technische Aufgabe, sondern beruht auf lokalen Partnerschaften und Vertrauen. So entsteht nicht nur Transparenz, sondern auch Vertrauen in die gemeinsame Dateninfrastruktur.

Daten sichtbar machen

Soliguide zeigt, wie offene Daten zu einem Instrument des Gemeinwohls werden können. Indem Informationen geteilt, gepflegt und zugänglich gemacht werden, entsteht ein gemeinsames Wissen, das Menschen in schwierigen Lebenslagen Orientierung gibt. Wer Daten sichtbar macht, eröffnet neue Zugänge zu Hilfe und Teilhabe.