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Datengeschichte
Greenpeace: Nachhaltigkeit auch bei Open Data
Fischsterben in der Oder, antibiotikaresistente Keime in Schlachthöfen und Strahlenmessungen in Tschernobyl: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erhebt für ihre Studien und Untersuchungen eine Vielzahl an Daten. Damit diese nach den meist medial öffentlichkeitswirksamen Berichten durch Dritte weiter genutzt werden können, stellt die Organisation die Daten als Open Data zur Verfügung.
Jonathan Niesel ist bei Greenpeace Deutschland für das eigene Open-Data-Portal zuständig. „Wir denken, dass wir einen Mehrwert schaffen, wenn wir die Daten nicht für uns behalten“, berichtet Jonathan Niesel. Dazu zählten verschiedene Gruppen wie Student:innen, Forscher:innen und Journalist:innen sowie private Akteure, die einfach tiefer in den Datenbestand hineinsehen möchten. Damit erzeugt Greenpeace auch eine größere Sichtbarkeit und Reichweite.
Des Weiteren geht es der Umweltschutzorganisation um Transparenz. „Wir wollen zu 100 Prozent Transparenz zeigen. Dazu gehört auch, den Datenbestand für unsere Veröffentlichungen offenzulegen“, erklärt Jonathan Niesel. So könne jede:r diese nochmals selbst überprüfen.
Rund 30 Datensätze im Portal
Vor etwa zwei Jahren hat Greenpeace sein von einem externen Dienstleister entwickeltes Open-Data-Portal online gestellt. Es wurde auf CKAN-Basis entwickelt und stellt verschiedene Datensätze zu Themen wie Biodiversität, Landwirtschaft oder Mobilität zur Verfügung. Mittlerweile umfasst das Portal rund 30 Datensätze. Der Datensatz zu der russischen Schattenflotte verbucht die meisten Zugriffe.
„Daten spielen für uns schon immer eine bedeutende Rolle. Schließlich profitieren wir auch von offenen Daten“, berichtet Jonathan Niesel. Die Idee für ein eigenes Portal fand dementsprechend schnell Zustimmung.
„Natürlich bedeutet das Portal auch etwas Mehrarbeit für bestimmte Mitarbeiter:innen, da eine zusätzliche Plattform bespielt werden muss“, räumt Jonathan Niesel ein. Deshalb bieten er und seine Kollegen Unterstützung bei der Datenaufbereitung an, etwa wenn es darum geht, Excel-Daten zu formatieren oder Geodaten aufzubereiten.
Projekt ist auf drei Jahre angelegt
Die Entwicklung und Fortführung des Open-Data-Portals ist bei Greenpeace als ein Projekt aufgesetzt, das nach einigen Jahren evaluiert werden soll. Aber wie misst man die Wirksamkeit? „Die Klickzahlen sind angesichts der spitzen Zielgruppe relativ überschaubar und für uns nicht die relevante Größe“, meint Jonathan Niesel. Viel wichtiger sei die Verwendung der Daten und die dementsprechende Nennung von Greenpeace als Quelle in späteren Publikationen. Diese ließe sich aber nicht einfach messen. Erfolge seien hier erst langfristig bemerkbar.
Welche Learnings hat Greenpeace im Laufe des Projekts gemacht? Zu Beginn habe man sich einen sehr komplizierten Prozess überlegt, um an die Daten zu kommen, diese aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen, erinnert sich Jonathan Niesel. Dabei gehe es darum, das Portal konstant und niedrigschwellig zu bespielen, damit der Aufwand für alle zu bewerkstelligen bleibt.
Zum Auftakt hatten Jonathan Niesel und seine Kolleg:innen in dem Bereich deshalb zunächst nur eine Handvoll zurückliegende Studien herausgesucht und den Datenbestand daraus veröffentlicht. „Man kann ein Portal schon mit wenig initialem Input an den Start bringen.“ Seitdem werden nur noch neue Daten veröffentlicht, die durch neue Studien und Erhebungen gewonnen werden. Hierbei werden alle Daten ab einer relevanten Größe von Expert:innnen in möglichst offene Formate umgewandelt. Gleichzeitig wird bei der Veröffentlichung eine DOI generiert, welches die Zitation im Nachhinein einfacher und messbarer macht. Dabei gilt es natürlich die gleichen Qualitätsstandards einzuhalten, die wir an uns und unsere Beauftragten Dienstleister stellen. Die Daten werden mit der jeweils veröffentlichten Studie verlinkt,was den User:innen die Möglichkeit gibt von der Studie auf die Rohdaten und umgekehrt von den Rohdaten auf die Studie zurückzugreifen.
Vernetzung
Was er noch empfehlen kann? In jedem Fall solle die Geschäftsführung eingebunden werden, um von dieser das Commitment zu bekommen. „Das gibt einem einen unglaublichen Rückhalt“, weiß Jonathan Niesel. Zudem habe er gute Erfahrungen damit gemacht, sich mit anderen Organisationen auszutauschen und zu vernetzen, um voneinander zu lernen und das Vorhaben bekannter zu machen.
Greenpeace gehört auch zu den ersten Organisationen, die ihre Daten im Datenatlas Zivilgesellschaft zur Verfügung gestellt haben. „Wir unterstützen es, Open Data in die Zivilgesellschaft zu tragen“, erklärt Jonathan Niesel. „Außerdem ist der Datenatlas für uns eine weitere Plattform, um auf unsere Arbeit hinzuweisen.“
Zur Organisationspräsenz von Greenpeace im Datenatlas Zivilgesellschaft.