
stock.adobe.com/Sonja Birkelbach
Datengeschichte
„Gieß den Kiez“: Berliner Stadtbäume gemeinsam bewässern
In den trockenen Sommermonaten kommen die städtischen Betriebe in Berlin mit der Bewässerung der Stadtbäume oft kaum hinterher. Der Klimawandel wird das Problem weiter verschärfen. Doch es gibt Abhilfe: Das Projekt „Gieß den Kiez“ nutzt Daten, um den Wasserbedarf zu ermitteln und Anwohner:innen zur aktiven Mithilfe zu animieren. Mittlerweile hat sich die Initiative auch in anderen Großstädten etabliert.
In den trockenen Sommermonaten kommen die städtischen Betriebe in Berlin mit der Bewässerung der Stadtbäume oft kaum hinterher. Der Klimawandel wird das Problem weiter verschärfen. Doch es gibt Abhilfe: Das Projekt „Gieß den Kiez“ nutzt Daten, um den Wasserbedarf zu ermitteln und Anwohner:innen zur aktiven Mithilfe zu animieren. Mittlerweile hat sich die Initiative auch in anderen Großstädten etabliert.
Ausgangspunkt für die Web-Anwendung „Gieß den Kiez“ war das städtische Baumkataster, das derzeit über 960.000 Straßen- und Grünanlagenbäume abbildet. Jedem Baum werden Informationen zum Alter und zur Baumart, zum Wasserbedarf und den Niederschlagsmengen zugeteilt. Die Niederschlagsmengen beruhen dabei auf Angaben des Deutschen Wetterdienstes.
User:innen der Anwendung können sich einen Überblick über den Baumbestand im Stadtgebiet verschaffen, sich selbst als „Gießer:in“ registrieren (E-Mail-Adresse + Nickname) oder einen Baum in der Nachbarschaft adoptieren. In dem Kartentool werden die Bäume als versorgt (grün), mäßig versorgt (gelb) oder gießbedürftig (rot) markiert. Dabei wird angezeigt wie viele Liter der Baum noch benötigt.
Wer dem Baum helfen möchte, kann dann zur Gießkanne greifen und die Litermenge in die Anwendung einpflegen. Besonders gut funktioniert die Bewässerung der Bäume im Alter unter zehn Jahren, da die Wurzeln noch nicht so tief im Erdreich liegen und dadurch durch das „Gießwasser“ besser erreicht werden können.
Hinter dem 2020 entstandenen Projekt steckt das CityLab, das Innovationslabor der Stadt Berlin. Das CityLab ist ein Teil der Technologiestiftung Berlin und wird durch die Senatskanzlei Berlin gefördert.
Erfolgreichstes Projekt der vergangenen Jahre
„Wir haben einen Nerv getroffen“, berichtet die Projektverantwortliche Anna Mehrländer. Allein in der ersten Woche nach dem Launch verzeichnete www.giessdenkiez.de knapp 20.000 Besuche und knapp 1.500 Baum-Gießungen von über 36.405 Litern Wasser, die von Nutzer:innen innerhalb der App eingetragen wurden. Inzwischen sind fast 12.000 „Gießer:innen“ aktiv. „Gieß den Kiez ist eines der erfolgreichsten Projekte des CityLabs in den vergangenen Jahren“, so Anna Mehrländer. Letztlich bilde die Anwendung eine Art Schnittstelle zwischen Bürgern und dem Staat und animiere zur Bürgerbeteiligung.
Besonders hoch sind Interesse und Zugriffe im Sommer, wenn das Problem Trockenheit akut wird. „Manche Menschen fühlen eine Ohnmacht, wenn es immer heißer wird und die Baumblätter braun werden“, schildert Anna Mehrländer. „Wenn sie einen Baum vor ihrer Tür gießen, haben sie immerhin etwas unternommen und das Gefühl, einen Baum gerettet zu haben.“
Bis zu 3.000 Personen sind in einem Slack-Channel vernetzt und tauschen sich über den aktuellen Zustand der Bäume und Umweltthemen aus oder melden defekte Pumpen. Inzwischen ist das Projekt zu einem Selbstläufer geworden. Abgesehen von dem jährlichen Update des Baumkatasters hält sich der Aufwand für die Entwickler:innen in Grenzen.
Nachahmer in anderen Städten
Auch in anderen Städten fand die Idee Anklang und wurde übernommen, darunter in Leipzig , Magdeburg , Potsdam und der französischen Hauptstadt Paris .
Das CityLab Berlin hat den Open Source Code auf GitHub zur weiteren Nutzung veröffentlicht. Wer das Projekt adaptieren möchte, benötigt nach Einschätzung von Anna Mehrländer vor allem technisches Know-how. „Wir können die Anwendung leider nicht für andere Städte aufsetzen, helfen aber sehr gerne bei Fragen weiter“, sagt Anna Mehrländer. „Unser Ziel ist es, dass sich das Projekt weiterentwickelt und der gute Zweck in Form von Klimaschutz und Umweltbildung weitergetragen wird.“